70 Jahre Musikverein Lüxem – Ein Jubiläum voller Klang, Geschichte und Gemeinschaft …und mit einem neuen Ehrenvorsitzenden
Am 14. März 2026 feierte der Musikverein Lüxem sein 70‑jähriges Bestehen – ein Jubiläum, das nicht nur musikalisch, sondern auch emotional und historisch eindrucksvoll gestaltet war. Der Tag begann mit einem festlichen Gottesdienst, den Prälat und Ehrenmitglied Dr. Herbert Hoffmann zusammen mit Diakon Hermann Josef Hower zelebrierte. Schon in den ersten Worten der Predigt von Herbert Hoffmann wurde deutlich, wie tief seine persönliche Verbindung zum Verein reicht. „Laetare – wir haben heute allen Grund, froh und dankbar zu sein“, eröffnete er den Gottesdienst und spannte einen Bogen von seinen eigenen Jugendjahren bis zur Gegenwart.

Hoffmann erinnerte an die frühen Begegnungen mit dem Musikverein, an die „wunderbare freundschaftliche Beziehung zwischen jungen und älteren Musikern“ und an prägende Momente mit Gründungsdirigent Bruno Lerbs. Besonders eindrucksvoll war seine theologische Deutung des Altarkreuzes, das er mit der Arbeit eines Dirigenten verglich: „Ohne neue Hellhörigkeit keine Einstimmung. Ohne Einstimmung keine Harmonie.“ In einer Welt voller Dissonanzen könne Musik Orientierung geben – ein Gedanke, der die Zuhörer tief berührte. Seine Botschaft war klar: Musik stiftet Gemeinschaft, überwindet Grenzen und schafft Frieden.
Musikalisch getragen wurde der Gottesdienst vom großen Orchester des Musikvereins, der diesen mit dem festlichen Te Deum von Marc-Antoine Charpentrier– das auch als Ankündigung von Eurovisions-Sendungen im Fernsehen bekannt ist – ein würdiger Auftakt für einen Abend, der ganz im Zeichen von Dankbarkeit und Zusammenhalt stand.
Ein Abend, der Geschichte lebendig machte
Zur anschließenden Ehrungsfeier im Dorfgemeinschaftshaus Lüxem begrüßten der 1. Vorsitzende Stephan von St. Vith und die 2. Vorsitzende Michaela Linden‑Kaspari zahlreiche Gäste aus Politik, Vereinen und der Dorfgemeinschaft. Unter ihnen Landrat Andreas Hackethal, Mitglied des Landtags Dennis Junk, Beigeordnete der Stadt Wittlich Elfriede Meurer in Vertretung des Bürgermeisters Joachim Rodenkirch,, Ortsvorsteher Matthias Linden sowie Norbert Sartoris den Vorsitzenden des Kreismusikverbandes Bernkastel-Wittlich.
Stephan von St. Vith nahm die Gäste mit auf eine kurzweilige Reise durch sieben Jahrzehnte Vereinsgeschichte. Ausgehend von den Wurzeln im Jahr 1928 – als Lehrer Karl Mayer ein Streichquartett gründete – spannte er den Bogen zur Neugründung 1956 im Gasthaus Pekart‑Ertz. Mit einem Augenzwinkern erinnerte er an die erste „Crowdfunding‑Aktion“ des Dorfes, als 20 Lüxemer jeweils 200 DM spendeten, um die ersten Instrumente zu finanzieren. „Der Saal war voll, und alle hatten Lust auf Musik“, so in etwa musste die damalige Stimmung gewesen sein.
Vorsitzender von St. Vith würdigte die großen musikalischen Jahrzehnte des Vereins – von Ernst Geyer, der den Verein ab 1974 „auf Oberstufenniveau katapultierte“, bis zu Stefan Barth, der seit 2003 als Dirigent, Pädagoge und Motivator wirkt. Auch die jüngere Geschichte fand ihren Platz: die Balkon‑Konzerte während der Corona‑Pandemie, die längste Musikmeile Deutschlands 2022, das Jubiläumsjahr „1000 Jahre Lüxem“ 2023 und das Festival „Klassik im Dorf“, das Lüxem „klingen ließ wie Wien, Prag und Berlin zusammen“.
Sein Fazit war deshalb: „Ihr seid der Grund, warum dieser Verein seit 1956 nicht nur besteht – sondern lebt, wächst und begeistert.“
Ehrungen für rund 4.000 Jahre Engagement
Ein besonderer Schwerpunkt des Abends lag auf den Ehrungen – und sie machten sichtbar, was den Verein seit Jahrzehnten trägt: Treue, Idealismus und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Rund 100 aktive und inaktive Mitglieder wurden ausgezeichnet, zusammen für etwa 4.000 Jahre aktives und/oder förderndes Engagement.
Zu den Höhepunkten zählten die Ehrungen der Mitglieder, die dem Verein seit sieben Jahrzehnten verbunden sind: Peter Esch, Herbert Neumann, Renate Simon und Helmut Konrad, der als letztes aktives Gründungsmitglied und jahrzehntelanger Ortsvorsteher von Lüxem auch ein paar Worte an die Festversammlung richtete.
Ebenso beeindruckend waren die Auszeichnungen für jahrzehntelanges aktives Musizieren, darunter Ehrenmitglied Albert Bollig für 60 Jahre, Wilfried Caspari und Ernst Schmitt für jeweils 50 Jahre (Landesehrenbrief mit Ehrenzeichen Gold) sowie zahlreiche Musikerinnen und Musiker für 40 und 30 Jahre ((Ehrenzeichen Gold), 20 Jahre (Ehrenzeichen Silber), 10 Jahre (Ehrenzeichen Bronze) und 5 Jahre (Jugendehrennadel Silber) aktives Wirken.
Eine besondere Würdigung erhielt Claudia Adams, die über 32 Jahre im Vorstand als Beisitzerin, Notenwartin, Organisatorin und Ansprechpartnerin für Kinder und Jugend tätig war und ihren Sitz Anfang des Jahres an Sarah Zimmer abgegeben hat. Ihr Engagement für Kinder und Jugendliche, ihre Hilfsbereitschaft und Organisationstalent machten sie zu einer Stütze in allen Lebenslagen des Vereinslebens.

Claudia war immer da, immer zuverlässig, immer hilfsbereit – und immer mit einem Lächeln,
selbst wenn es eigentlich zum Weinen gewesen wäre, so fasste der Vorsitzende ihr Wirken im Verein zusammen und er sei sich sicher, dass sie auch weiterhin den Verein tatkräftig unterstützt, das sei einfach in ihrer DNA.
Ein Moment von großer Dankbarkeit: Joachim Schiffer wird Ehrenvorsitzender
Einer der emotionalsten Augenblicke des Abends war die Ernennung von Joachim Schiffer zum Ehrenvorsitzenden. Dr. René Pschierer, wohnhaft in Lüxem und sonst zeitweise in der Mainzer Fastnacht unterwegs, würdigte ihn in einer sehr humorvollen, feinfühligen und zugleich tief bewegenden Laudatio in Reimform – ein Vortrag, der den Saal zum Lachen und zum Nachdenken brachte und den Geehrten zu Tränen rührte.
Eine kleine Kostprobe aus der Laudation von Dr. René Pschierer:
Dr. René Pschierer
(…)
Doch was jetzt kommt ist äußerst selten:
Ehrungen dieser Art, sie gelten
Allein durch ihre Intention
Als eines langen Lebens Lohn.
Ich habe es erst jüngst erfahren:
Sie wurde in den 70 Jahren
Bisher auch nur einmal verliehn,
Und heute Abend nun an ihn.
Die Formulierung kündigt an:
Es handelt sich um einen Mann
Den es am heut’gen Abend trifft.
Er ist bekannt wie Tylor Swift,
Man nennt ihn auch den Taylor Swiffer –
Ein Dreifach Hoch: Joachim Schiffer!
Was hast Du hier nicht schon bekommen:
Fast alle Preise, strenggenommen
Gehörst Du mit manch goldner Nadel
Zum hohen Musikantenadel.
Was kommt da noch? Nun eines fehlt,
Und Dein Verein hat Dich erwählt –
Weil jeder hier fest an Dich glaubt –
Zum höchsten Titel überhaupt.
Als erster Mensch nach Hermann Hayer
Wirst Du nach dieser Jubelfeier
Ich geb es offiziell bekannt:
Ehrenvorsitzender genannt!
(…)
Joachim Schiffer hat den Verein 35 Jahre lang geführt – eine Zeit, in der er nicht nur Vorsitzender war, sondern Mentor, Vermittler, Organisator, Motivator und oft auch schlicht der Fels in der Brandung. Unter seiner Leitung wuchs der Verein musikalisch, strukturell und menschlich. Er führte durch Höhen und auch manche Herausforderungen, durch große Konzerte und schwierige Phasen, immer mit dem Blick für das Ganze.
Die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden war daher weit mehr als eine formale Geste – sie war Ausdruck tiefen Respekts und Dankes für ein Lebenswerk im Dienste der Musik und der Gemeinschaft im Verein.






Musik als Herzschlag des Dorfes
Zwischen den Reden sorgten das Projektorchester DeLüx und ein Saxophon‑Trio (Valentina von St. Vith, Emma Hergert und Annika Caspari) aus dem Jugendorchester für musikalische Glanzpunkte. Sie zeigten eindrucksvoll, dass der Verein nicht nur auf eine große Vergangenheit zurückblickt, sondern auch eine lebendige Zukunft hat: Über 30 Musikerinnen und Musiker unter 18 Jahren sind derzeit aktiv.
Ein Jubiläum, das verbindet
Der Abend endete mit einem Gefühl, das sich durch den ganzen Abend zog: Dankbarkeit. Dankbarkeit für 70 Jahre Musik,
Dankbarkeit für Menschen, die Verantwortung übernehmen und
Dankbarkeit für eine Dorfgemeinschaft, die zusammensteht.
Prälat Hoffmann hatte es in der Messe so formuliert:
„Wenn ich es recht sehe, strahlt die Harmonie des Musikvereins auf das ganze Dorf aus.“
Dieses Jubiläum hat gezeigt: Er hat recht.
Herzlichen Dank an den Fotografen Valentin Klas!














































